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Wir trauern um Rudi Refke

Kameradschaft und Engagement: Wie kein anderer hat sich Rudi Refke um unseren Verein, um die Zeche Schlägel & Eisen und um Herten verdient gemacht. Nun ist der Bergmann im Alter von 82 Jahren verstorben.

Hakennummer 890 in der Weißkaue. Knapp 30 Jahre lang zieht sich Rudi Refke hier um, frühmorgens um kurz vor 6 Uhr. Vier Butterbrote hat ihm seine Frau Renate mitgegeben; sie ist extra aufgestanden, um ihm die „Bütterchen“ zu schmieren, obwohl er sagte, er könne sich das Brot auch selber machen. Vier Kinder haben Rudi und Renate.

Um seine Familie zu versorgen, arbeitet Rudi Refke vor Kohle im Streb in staubiger Hitze. „Der moderne Kohleabbau ist eine Arbeit, die man dem Menschen gar nicht zumuten sollte“, sagt Rudi Refke später.

Eigentlich wollte Rudi Refke gar kein Bergmann werden. Als Jugendlicher sprach er bei einem Anstreicherbetrieb vor. Doch mit seinen damals gerade mal 1,44 Metern Körpergröße sei er zu klein, sagte man ihm. Also bemühte er sich um eine Stelle als Uhrenmacher, doch das klappte auch nicht. So folgt Rudi Refke mit 15 Jahren seinem Vater. Der war 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt und hatte auf Schlägel & Eisen eine Anstellung gefunden.

Am 1. April 1952 beginnt Rudi Refke auf der Hertener Schachtanlage 3/4 seine bergmännische Karriere. Als Berglehrling lernt er den Bau des deutschen Türstocks und den Umgang mit dem schweren Drucklufthammer. Es ist die Zeit, in der Ewald Hilgenstock Werksführer auf Schlägel & Eisen ist, „der hatte ein Herz für uns Kumpels“, erinnert sich Rudi Refke später.

Mentor, Vorbild und Sänger

Im Februar 1953 tritt Rudi Refke seine erste Bergfahrt an. „Da musste ich ein bisschen mutig sein“, sagt er. Man habe ja von den Unglücken unter Tage gehört. „Aber ich war ein vorsichtiger Mensch.“ Obwohl sie von den anderen Kumpels oft als störend empfunden werden, trägt Rudi Refke von Anfang an Staubmaske, Gehörschutz und Helm.

Er wird Knappe, Lehrhauer und Hauer. Und je länger Rudi Refke Bergmann ist, desto mehr liebt er seinen Beruf. „Ich war stolz darauf, im Bergbau zu arbeiten“, erinnert er sich.

1964 wird Rudi Refke Mitglied des Männergesangsvereins Schlägel & Eisen. Über 60 Jahre singt er dort. Als Botschafter des Ruhrgebiets führen ihn die Auftritte des Chores bis nach Amerika. Bis ins hohe Alter kann sich der Chor auf die sängerische Leidenschaft und das Organisationstalent Rudi Refkes verlassen.

Für die anderen Kumpel ist Rudi Refke unterdessen Mentor, Vorbild und Interessensvertreter. 1971 wird er in den Betriebsrat gewählt. Dazu engagiert er sich als Schöffe am Amtsgericht, im Stadtrat, im Kreistag und im Ortsgruppenvorstand der IG Bergbau. Als Schwerbehindertenobmann und Knappschaftsältester berät er zudem Bergleute, die gesundheitlich zuschaden gekommen sind, eine andere Anstellung anstreben oder vom Bergbau abkehren wollen. Für seine Sprechstunden nimmt er sich zwischen 15 und 17 Uhr zwei Mal wöchentlich Zeit – obwohl er seit 6 Uhr im Schacht geschuftet hat. „Das Mittagsschläfchen hab ich mir da gar nicht erst angewöhnt“, sagt er später.

Die vertrauensvollen Beratungsgespräche gewinnen mit dem zunehmenden Niedergang des Bergbaus immer weiter an Bedeutung. Rudi Refke nimmt die Sorgen der Bergleute ernst, hilft beim Rentenantrag, zeigt den Männern eine neue Lebensperspektive. 1988 lässt er sich selbst von der Arbeit unter Tage freistellen. Im Tagesbetrieb in Disteln und an Schacht 8 sorgt er nun als freigestelltes Betriebsratsmitglied dafür, „dass kein Blödsinn gemacht wurde“. Bei den Kumpeln ist er überaus beliebt.

Neue Kraft und Hoffnung

„Ich habe den Menschen etwas Sinnvolles geboten“, sagt Rudi Refke. Auf seine Initiative wurden in Scherlebeck Kleingartenanlagen angelegt. Als er den Vorsitz der Evangelischen Arbeiterbewegung (EAB) Langenbochum/Paschenberg übernahm, hatte der Verein 123 Mitglieder. Durch die engagierte Arbeit Rudi Refkes verdreifacht sich die Zahl auf 380. Denn Rudi Refke und seine EAB organisieren regelmäßige Familienfreizeiten, Kulturveranstaltungen und Städtereisen. Vielen Bergleuten gibt die Arbeit Rudi Refkes neue Kraft und Hoffnung.

Wir verlieren mit Rudi Refke einen leidenschaftlichen Sänger des Bergmannschors und ein engagiertes Klubmitlied. Durch sein Wirken hat Rudi Refke eindrucksvoll gezeigt, wie wir den Strukturwandel in unserer Region positiv gestalten können. Sein optimistisches Wesen, sein tatkräftiger Einsatz für Herten und seine bergmännisch-kameradschaftliche Loyalität mögen uns und künftigen Generationen in Herten ein Vorbild sein.

Christoph Brüggemeier


Die Trauerfeier findet am Samstag, den 20. Juli um 12 Uhr in der Trauerhalle des Komunalfriedhofes Langenbochum/Scherlebeck statt. Anschließend ist die Urnenbeisetzung.

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