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Jenseits der Kriterien

Nach einjähriger Vorlaufzeit eröffnet am Samstag auf unserem Gelände eine vielbeachtete Kunstausstellung. 19 Nachwuchstalente der IDfactory/TU Dortmund zeigen Objekte, Rauminstallationen, Videoarbeiten und Performances. Dabei verschmelzen die zeitgenössischen Werke mit der vom Verfall geprägten Bausubstanz des Bergwerks.

„Jenseits der Kriterien“ heißt die Ausstellung, die am 2. Dezember ab 19 Uhr auf Schlägel und Eisen feierlich eröffnet wird. Der Name ist Programm, denn mit einer klassischen Ausstellungssituation im perfekt ausgeleuchteten, weiß gestrichenen Raum, hat die Kunst-Schau nichts zu tun. Das Dreckige, Abgegriffene und das Verfallene überwiegt – und vermischt sich spannungsgeladen mit den Werken der jungen Künstler.

Jenseits des Erträglichen?

Dabei ist eindeutig, dass sich die Künstler bei ihrem Schaffensprozess eingehend mit den Kriterien, die allgemein hin an Kunst gestellt werden, auseinandergesetzt haben. Mit scheinbar großer Freude hinterfragen die Künstler gängige Konventionen, sie spielen mit ihnen und loten sie neu aus. Jascha Fidorra zeigt einen postapokalyptischen Schmelzofen, der alle ästhetischen Konventionen hinter sich gelassen hat. Und wenn Julia Batzdorfs Klanginstallation alle 25 Minuten kurz erschallt, wird auch der wohlwollende Kunstliebhaber sofort die Flucht ergreifen wollen.

 

Raum- und Klanginstallation von Julia Batzdorf

 

Mal filigran komponiert, mal grob gekleistert – mal zugänglich, mal abweisend zeigen die Exponate die vielfältigen neuen Möglichkeiten, die entstehen, wenn Künstler ihre eigenen Normen aufbrechen. Die Ergebnisse sind dabei keinesfalls beliebig.

Radikale Grundlagenforschung

Auf einem Kesselfundament im Tiefkeller der Zeche sind drei Skulpturen entstanden. In seiner Rohheit greift die Arbeit von Johanna Bielawski und Steffen Mischke die Ästhetik des Industrieraumes auf, kontrastiert diesen jedoch gleichzeitig durch seine Farbenpracht. Auch das Werk von Anna Gerlach korrespondiert mit dem Ort seiner Aufstellung. 31 Tage hat die junge Künstlerin alleine im Wald verbracht. Der einfache Holzverschlag, in dem sie dabei lebte, ist nun in der Weißkaue auf Schlägel und Eisen zu sehen. Das Symbol einer absoluten Naturerfahrung tritt in Wechselwirkung mit dem industriellen Raum.

 

 

„Die Nachwuchskünstler begreifen die geschichtsträchtigen Hallen von Eisen und Schlägel als Forschungsfeld für Installationen, partizipative Interventionen, Videofilme und Performances jenseits der üblichen Kriterien”, erklärt die Kuratorin Prof. Ursula Bertram. Die Leiterin der Querdenkerfabrik IDfactory/Zentrum für Kunsttransfer an der Universität Dortmund hat die Ausstellung in Kooperation mit dem Klub Schlägel und Eisen konzipiert. Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den Ausstellungsräumen, haben die jungen Künstler fünf Wochen lang experimentell vor Ort gearbeitet.

Dabei ist beispielsweise auch das „Paradies“ von Stefan Zientek entstanden. Die Installation des Kunststudenten ist ein technisch ausgeklügelter Apparat, der einen Mikrokosmos der globalisierten Bergbauindustrie schafft. Heizungen erzeugen kolumbianisches Dschungelklima, in einem Plexiglas-Kubus wachsen Orchideen und jene Kauenkörbe, in denen die Bergleute einst ihre Straßenkleidung ablegten, sind nun selbst mit Kohle gefüllt. „Paradis“ verweist somit auf die gigantischen Kohleimporte aus Südamerika, die auch für den Strukturwandel in unserer Region gesorgt haben. Wo sonst wäre diese Installation passender, als in einem stillgelegten Steinkohlebergwerk?

Erkenntnisse für das echte Leben

„Kunst ist eine eigenständige Möglichkeit, die Welt zu erforschen“, sagt Erich Füllgrabe, der die Studierenden der IDfactory bei ihrer Arbeit in der Zeche betreut hat. „Alle Künstler haben sich eine Forschungsfrage aus dem alltäglichen Erfahrungsfeld gestellt und diese dann in einer künstlerischen Laborsituation untersucht. Ihre Ergebnisse haben die Studierenden anschließend in künstlerischer Sprache visualisiert und zurück ins echte Leben gebracht.“, erklärt der 55-Jährige.

 

Künstler bei der Arbeit im Tiefkeller

 

Am 10.12. und 17.12. sollen auch Kinder und Jugendliche den spannenden Prozess des künstlerischen Forschens einmal ausprobieren können. Dann nämlich laden einige der ausstellenden Künstler in die „Erfinderwerkstatt“ ein, in der Kinder ab 10 Jahren eigene Kunstwerke entwickeln können. Der Workshop und die Ausstellung wird von der Volksbank Ruhr Mitte und der RAG-Stiftung gefördert.

 

Jenseits der Kriterien

Ausstellungsort
Kauen und Tiefkeller auf Schlägel und Eisen
Glückauf-Ring 35-37
Herten

Öffnungszeiten der Ausstellung
03.12.2017, 11–15 Uhr
09.12.2017 und 10.12.2017, 11–15 Uhr
16.12.2017 und 17.12.2017, 11–15 Uhr
06.01.2018 und 7.01.2018, 11–15 Uhr
13.01.2018, 11–15 Uhr

Eintritt frei

Vernissage
02.12.2017, 19 Uhr
Eröffnung: Prof. U. Bertram, [ID]factory

Führungen
03.12.2017, 11–15 Uhr

Workshops und Erfinderwerkstatt
10.12.2017, 11.30 Uhr
17.12.2017, 11.30 Uhr
auf Anfrage: info@schlaegel-eisen.de

Finissage
14.01.2018, 11 Uhr
Abschlussgespräch mit Judith Klein, Erich Füllgrabe und Kathi Schmidt

 

Young LAB der [ID]factory

Jana lda Barkanowitz, Julia Batzdorf, Johanna Bielawski, Alina Buchwald, Marvin Eil, Jascha Fidorra, Lea Frensch, Anna-Lena Friebe, Anna Gerlach, Judith Klein, Steffen Mischke, Ulvis Müller, Oanh Nguyen, Richard Opoku-Agyemang, Nora Reul, Sabrina Schmidt, Benedikt Wessel, Stefan Zientek, Mareile Zimmermann

Kuratorin: Ursula Bertram

 

>> Der Lageplan der Ausstellung als PDF-Download
>> Der Flyer zur Ausstellung als PDF-Download

>> Der Flyer zur Erfinderwerkstatt als PDF-Download
>> Die Ausstellung auf der Website der [ID]factory

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