holocaust-gedenktag-2018-banner

Ausgeraubt, ausgebeutet und ermordet

Anlässlich des Holocaust-Gedenktages machten 18 Schülerinnen und Schüler vergangene Woche in unserer Schwarzkaue auf die Opfer-Schicksale der nationalsozialistischen Diktatur aufmerksam.

Die Zehntklässer der Martin-Luther-Europaschule haben die Kauen der Zeche Schlägel und Eisen am 30. Januar in Räume der Erinnerung an den Holocaust verwandelt. Beinahe alle Oberschüler aus Hertens weiterführenden Schulen besuchten die Gedenkveranstaltung.

Schwarze und vereinzelt rote Schuhabdrücke begleiteten die Besucher bereits im Treppenhaus auf den Weg nach oben. Stacheldraht, Kerzen und weiße Rosen erinnerten in Kauenkörben an die Leidenswege und die Gefangenschaft der Verfolgten während des Nazi-Regimes.

Nicht ohne Grund hat die Schule ihre Gedenkveranstaltung auf dem Gelände der Schachtanlage 3/4/7 stattfinden lassen: Während der NS-Zeit arbeiteten auf Schlägel und Eisen mindestens 1.146 Zwangsarbeiter. Eine von den Schülern zusammengestellte Ausstellung offenbarte die miserable Situation der Zwangsarbeiter hinsichtlich ihrer Lebensbedingungen und ihrer Verpflegung. Auf vergrößerten Zwangsarbeiter-Ausweisen verwiesen rote Schriftzüge auf das Schicksal ihrer Inhaber: „Entwichen“ oder „Krankheit“ war dort zu lesen.

Auf der Bühne der Schwarzkaue konfrontierten die Schüler den Besucher mit schwer erträglichen Erinnerungen an die Verbrechen der Nazis. Es wurden sachliche und bedrückende Zeitzeugenberichte vorgetragen; die Zehntklässer zeigten in Ausdruckstänzen, wie jüdische Mitmenschen denunziert, gedemütigt, deportiert und ermordet wurden.

Die Rahmenhandlung bot dabei die Geschichte einer jüdischen Frau – erzählt von ihrem roten Tanzschuh. Sobald dieser am Rand der Bühne im Scheinwerferlicht erstrahlte, begann eine Schülerin seine Geschichte zu lesen: Wie er – der Schuh – damals bei Simmenhauer in Herten gekauft wurde, ein fröhliches Dasein führte, jedoch mit der Zeit immer seltener getragen wurde. Es geht um die Anfänge des Nazi-Regimes und den Leidensweg zahlreicher Juden. Schließlich fand der Zuschauer den Schuh auf einem Schuhhaufen wieder.

Nach der Veranstaltung führte der Weg des Besuchers durch die ehemaligen Duschen. Als Klub Schlägel und Eisen hatten wir diesen Raum vor zwei Jahren als gemütliche Retro-Wohnzimmer-Lounge gestaltet.

Doch vergangene Woche war hiervon nichts mehr zu spüren: Die Möbel – Schränke, Sofas, Tische und Sessel – sie fügten sich zu einem chaotischen Berg zusammen. „Enteignet“ und „Versteigerung – Möbel aus nicht-arischem Besitz“ ist auf einem Schild in alter Schrift zu lesen. Deportation, Flucht, Vertreibung und Enteignung setzten dem bürgerlichen Idyll jüdischer Familien ein jähes Ende – auch in unserer Stadt. Informationstexte und Bilder erinnerten daher an das Schicksal sechs jüdischer Familien aus Herten.

holocaust-gedenktag-2018-01

Als Klub Schlägel und Eisen gehört es zu unseren Vereinszielen, die Historie der Zeche Schlägel und Eisen erlebbar zu machen. Zwangsarbeit und Holocaust sind ein unrühmlicher Teil unserer Geschichte und dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Unser Dank gilt daher den engagierten Lehrern und Schülern der Martin-Luther-Europaschule, die in monatelanger Vorbereitungszeit diesen eindrücklichen Gedenktag gestaltet haben.

Was denken Sie?