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Zirkular und Duett Kokett: Es schallt aus hundert Jahren

Wer zur ExtraSchicht das Maschinenhaus auf der Hertener Schachtanlage 3/4/7 betritt, den erwartet eine faszinierende Reise in die Goldenen Zwanzigerjahre. Installationskünstler erwecken die mächtige Zwillingsdampffördermaschine von 1897 wieder zum Leben. Außerdem laden schmissige UFA-Schlager zum Schmunzeln, Schmusen und Mittanzen ein.

Lassen Sie sich am 29. Juni ab 18 Uhr in das Herten der Zwanziger Jahre entführen! Im Maschinenhaus hat  das Künstlerkollektiv Spencer einen einzigartigen Erlebnisraum aus Klang und Licht aufgebaut. Eine Etage darunter sorgen die Musiker des Duett Kokett für stimmungsvolle Tanzlaune.

Große Umbrüche bestimmen das Herten der Zwanzigerjahre. Mit Ende des Ersten Weltkrieges kommen neue Einflüsse aus den USA ins Ruhrgebiet – und prägen das kulturelle, gesellschaftliche und industrielle Leben.

Kriegsfolgen, Kameradschaft und Widerstand
1923 besetzen Belgier und Franzosen das Ruhrgebiet. Sie sehen sich um Kohle-Reparationen betrogen und möchten die Lieferung des schwarzen Goldes nun selbst in die Hand nehmen. Doch die Kumpel leisten Widerstand: Sie verweigern die Arbeit, blockieren Transportwege und machen Maschinen unbrauchbar. Als den Besatzern die Kohle-Ausfuhr auch nach Monaten nicht recht gelingt, ziehen die Truppen 1925 entnervt ab.

Begeisterung für technischen Fortschritt
1924 beginnt eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs. Nach Jahren der Flaute werden auf Schlägel & Eisen wieder Bergleute eingestellt. Die Fördermenge steigt auf jährlich 500.000 Tonnen – und das aus gutem Grund. Der Taylorismus aus den USA ist jetzt auch in Herten angekommen: Die Bergleute optimieren Arbeitsabläufe und Förderprozesse. Und es wird kräftig in Modernisierung investiert: Die Fördermaschine von Schacht 3 wird mit Koepescheibe, Dampfbremse und einem iversenschen Fahrtregler aufgerüstet. Das sorgt für mehr Leistung und Sicherheit – und für Euphorie bei der Belegschaft. Denn längst hat die Technikbegeisterung einen kulthaften Charakter gewonnen. Nur wenige sehen, wie Hertens zunehmende Industrialisierung immer mehr die Landschaft entstellt.

Musik mit Witz und Charme
Wer in den Zwanzigerjahren tanzen möchte, braucht keine Musik-Kapelle mehr zu bestellen. Natürlich kann sich nicht jeder Berglehrling gleich einen Radioapparat leisten, aber irgendein Kumpel kennt immer jemanden, der einen Röhrenempfänger oder ein Grammophon besitzt. Operetten und Swing werden dann gespielt, doch besonders der Schlager, weckt bei den jungen Knappen auch nach der härtesten Schicht wieder neue Lebensgeister. Die schmissigen Rhythmen aus Amerika, dazu die heiter-frivolen Texte sind gute Voraussetzungen für Annäherungen und Avancen an die Damen.

Spencer macht das historische Fundament des Maschinenhauses zur Grundlage seiner künstlerischen Arbeit. Ausgehend von geschichtlichen Ereignissen und architektonischen Besonderheiten entsteht in der eine beeindruckende audiovisuelle Installation.

Zirkular ist eine fiktionale Interpretation der alltäglichen Betriebsabläufe auf dem Pütt. Die Arbeit thematisiert die dem Kulturdenkmal innewohnenden Klänge und Wirkungsmechanismen.

Aus dem unteren Geschoss des Maschinenhauses schallen dazu kabarettistische Schlager, die besonders bei den Bergleuten der Zwanzigerjahre beliebt waren. Helena Köhne (Gesang) und Gerd Jordan (Piano) präsentieren als Duett Kokett schmissige Hits voller Charme und Frivolitäten.

Die ExtraSchicht im Maschinenhaus auf Schlägel & Eisen
Samstag, 29. Juni 2019, 18 bis 2 Uhr
Glückauf-Ring 26, Herten
Das Maschinenhaus ist ein Standort der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur.

Zirkular
Eine audiovisuelle Rauminstallation von Spencer
Eröffnung am Samstag, 29. Juni um 18 Uhr, Einlass mit ExtraSchicht-Ticket (hier bestellbar)
Weitere Ausstellungstage (Eintritt frei):
– 30. Juni, 11 bis 15 Uhr
–  6. Juli, 11 bis 22 Uhr
– 7. Juli, 11 bis 15 Uhr

Duett Kokett
Kabarettistische Musik-Revue aus den Goldenen Zwanzigern
Samstag, 29. Juni um 18.15 20.15, 22.15 und 23.15 Uhr, Einlass mit ExtraSchicht-Ticket

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