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Das Bild zeigt überhaupt nichts

Stillstand und Bewegung, Verfall und Zufall: Seit der ExtraSchicht sind im Lampengang auf Schlägel & Eisen Bilder von Pierre Soff und Christian Kuck zu sehen. Am kommenden Sonntag schließt die Ausstellung mit einer gemütlichen Frühschoppen-Finissage.

Im abgedunkelten Lampengang der ehemaligen Zeche Schlägel & Eisen weht ein schwacher Wind. Aus einem scheinbar stehen gelassenen Steiger-Spint strahlt ein Diaprojektor auf ein Leinentuch. Rot leuchtende Gase einer entfernten Galaxie könnten hier zu sehen sein – oder der glühende Strom flüssiger Lava.

Tatsächlich hat der Urheber des Bildes, Christian Kuck, nichts davon abgebildet. Die Motive seiner Bilder hält der Künstler ebenso geheim wie die verwendete fotografische Technik. Die Fotografie zeigt keine Realität. – Und dennoch erkennt der Besucher dieser Ausstellung in jedem Bild seine eigene Wirklichkeit.

Konventionelle und subkulturelle Fotografie gegenübergestellt

„Wir möchten den Betrachter dazu anregen, sich mit seinem eigenen Kunstverständnis auseinander zu setzen. Dabei soll sich der Besucher in verschiedene Betrachterpositionen hineindenken und unterschiedliche Wertmaßstäbe formulieren”, sagt unsere zweite Vorsitzende Kathi Schmidt, die am Konzept der Ausstellung mitgearbeitet hat.

Auf die Idee für eine Ausstellung über „nichts” kamen wir durch ein Foto, das uns aus einem Archiv der Hibernia zugespielt wurde. Das unscheinbare Bild von unter Tage war mit der Notiz versehen: „Muster eines schlechten Bildes. Das Bild zeigt überhaupt nichts.” Das hat uns zur Frage gebracht, wie ein Bild aussehen muss, damit es nichts zeigt.

 

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Nun also sind im Lampengang unserer Zeche die Fotografien zweier Künstler zu sehen. Während die eingangs erwähnten Arbeiten von Christian Kuck mit ihren abstrakten Formen die Fantasie des Betrachters beflügeln, zeigen die klassisch fotografierten Bilder Pierre Soffs verlassene Werkbänke, leere Hallen und weite Tunnelsysteme. Das Nichts dieser Bilder, soll sich aus der Abwesenheit des Menschen herleiten – immerhin entsteht Realität erst dadurch, dass einer sie wahrnimmt.

Doch keine Sorge: Fernab von Erkenntnistheorie und Quantenphysik, können Sie sich als Betrachter auch einfach an der Schönheit der Fotografien erfreuen. Mal in Leuchtrahmen, mal angestrahlt und mal projiziert verbinden sich die Bilder mit der maroden Bausubstanz des ehemaligen Steinkohlebergwerks.

Künstlerkarriere beginnt mit Spiegelreflexkamera des Vaters

Mit „Das Bild zeigt überhaupt nichts” sind bei uns die Werke zweier heimischer Künstler zu sehen. Als Christian Kuck mit 17 Jahren die Spiegelreflexkamera seines Vaters in die Hände bekam, war eine Leidenschaft entfacht, die ihn bis heute nicht mehr losgelassen hat. Sein Handwerk lernte Kuck beim renommierten Bildjournalisten Adolf Clemens an der Fachhochschule Dortmund. Als freier Fotograf übernimmt der diplomierte Fotodesigner heute Aufträge aus dem Kulturbetrieb und der Wirtschaft. Seine experimentelle Fotografie begreift Kuck als Gegengewicht zur Auftragsfotografie.

Auch Pierre Soff, der hauptberuflich als Schlosser arbeitet, begann seinen künstlerischen Werdegang mit der Spiegelreflexkamera seines Vaters. Bevor Teile der Zeche Ewald abgerissen werden sollten, besuchte er heimlich das Bergwerk, wo er zehn Jahre zuvor ein Praktikum absolviert hatte. Soff fotografierte Veilchen und Farne, die dort längst auf den Werkbänken wucherten. Fasziniert von der Schönheit des Verfalls bereiste er weitere verlassene Zechen, Stollen, Fabriken, Stahlwerke und Schlösser im In- und Ausland. Immer weiter verfeinerte der Autodidakt dabei seine fotografischen Fertigkeiten, sodass seine Bilder inzwischen ein beachtliches gestalterisches Niveau erreichen.

Vielfältiges Rahmenprogramm

Weil wir es mit der „Kunst im Klub” erst meinen, haben wir zahlreiche ausstellungsbegleitende Veranstaltungen und Aktionen ausgerichtet. Neben regelmäßigen Führungen fand am vergangenen Sonntag ein experimenteller Kinder-Fotoworkshop statt, bei dem Jungen und Mädchen mit Kameras durch die Zeche gegangen sind, um ebenfalls Fotos zu machen, auf denen “nichts” zu sehen ist.

Am Sonntag, den 16. Juni laden wir ab 11.30 Uhr zur „Frühschoppen-Finissage“ ein. Neben Bier, Brezeln, Mettwurst und Kaffee, können Sie mit den Künstlern und uns ins Gespräch kommen. Außerdem zeigen wir die kreativsten Foto-Experimente, die beim Kinder-Workshop entstanden sind.

 

Muster eines schlechten Bildes: Das Bild zeigt überhaupt nichts
Fotografien von Pierre Soff und Christian Kuck

Ausstellung öffnet: 15. Juli und 16. Juli, 11–15 Uhr
Frühschoppen Finissage mit Künstlern und Kuratoren: 16. Juli, 11.30 Uhr
Lampengang Schlägel & Eisen, Glückauf-Ring 35-37, Herten
Eintritt frei

>> Der Flyer zur Ausstellung

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